Leinenzwang - für und wider

Nachdem in Hamburg erneut zwei Personen durch einen Hund verletzt wurden, werden die Rufe nach einer allgemeinen Leinenpflicht für Hunde immer lauter!

Aktuell

Am 31.03.2005 wurde ein achtjähriges Mädchen auf einem Hamburger Kleingartengelände von einem Rottweiler gebissen. Das Kind wurde angesprungen und in Ohr und Arm gebissen, als es an den spielenden Hunden vorbeigegangen war. Gegen die Tierhalterin wird ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Der Hund wurde in das Tierheim Süderstraße verbracht und könnte gegebenenfalls eingeschläfert werden. Rottweiler sind Gebrauchshunde, die oft als Wachhunde eingesetzt werden. Sie sind ihrem Herren meist sehr treu ergeben, fremden hingegen misstrauisch bis agressiv. Rottweiler müssen schon sehr früh Ordnung und Disziplin erlernen. In falschen Händen kann von diesem guten Arbeitshund leicht eine ernste Gefahrenquelle ausgehen.

Dieser Vorfall war der bislang schwerste nach dem am 26. Juni 2000 in Willhelmsburg getöteten türkischen Jungen (über diesen Vorfall hatten wir bereits im Jahr 2000 berichtet).

Am 04.04.2005 wurde in Hamburg-Bergedorf, Billwerder Billdeich, eine 42-jährige Joggerin am Abend von einem Hovawart gebissen. Die Joggerin erlitt an Arm, Bauch und Gesäß Verletzungen. Der Hovawart wurde in das Tierheim Süderstraße verbracht, wo sein Verhalen überprüft und bewertet wird. Im Fernsehen zeigte sich der Präsident des Hamburger Tierschutzvereins mit dem Hund, der dort scheinbar kein aggressives Verhalten aufwies. Der Hund wurde jedoch über größere Zeiträume im Zwinger gehalten und hatte zuvor schon Auffäligkeiten gezeigt, so dass der Besuch einer Tierschule und verhaltenstherapeutische Maßnahmen angeordnet wurden.
 
Allgemeine Einleitung zur Domestikation

Der Hund begleitet seit 10000 Jahren den Menschen, während der ersten Jahrtausende nicht als Nutztier sondern als Begleiter und Kumpan des Jägers und Sammlers der Steinzeit. Durch Zähmung des Wildtieres und anschließender Domestikation wurde der Hund zu einem Haustier. Dies gelang jedoch nicht mit jedem Tier, das vom Menschen gezähmt und in die Sippe eingebracht wurde. Einige Tiere behielten dabei den Wildinstinkt und konnten nicht als Haustier gehalten werden.

Auch in unserer modernen Zeit trägt der Hund einen wesentlichen Teil zur Steigerung der Lebensqualität bei. Nicht nur bei jungen Menschen sondern vor allem bei Senioren sind Hunde Medizin für Körper und Seele. Sie tragen erheblich zur Ausgeglichenheit, zu starkem sozialen Verhalten, Kontaktfreudigkeit, gesteigerter Aktivität und Fürsorge des Herrchens bei. Aus diesem Grund werden Hunde häufig als Co-Therapeuten in der Psychiatrie, Rehabilitation und Kindertherapie eingesetzt. Gerade für Kinder spielt der Hund zum Erreichen von sozialen Erziehungszielen eine große Rolle. Beim alten Menschen kann ein Hund einen erheblichen Beitrag zum Wohlbefinden liefern, da die Senioren oft unterfordert sind und keine fürsoglichen Aufgaben zu bewältigen haben. Sie neigen aber auch zu Vereinsamung und brauchen den wohltuenden Körperkontakt und die Zuneigung eines Haustieres wie beispielsweise eines Hundes.
 
Ursprung und Bedürfnisse

Wölfe verbringen etwa 20 bis 30 % der Tageszeit mit Laufen im Rudel. Dabei erreichen sie eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 8 km/h und können bis zu 50 km am Tag zurücklegen. Sie tun dies, um sowohl Sozialpartner zu finden als auch Beute zu machen. Wildernde Hunde durchstreifen Gebiete bis 30 km, weniger um Beute zu machen, sondern eher um Müllkippen zu plündern. Der Hund braucht Abwechslung in der Umgebung und durchsteift gerne größere Gebiete und genießt förmlich Gerüche und abwechslungsreiche Landschaften. Findet eine Unterversorgung mit Umweltreizen statt, kann dies zu Langeweile, Depression oder Aggression beim Hund führen. Befindet sich der Hund ausschließlich an der Leine, so kann dieser nur auf Strecken laufen, die vom Begleiter nach rein menschlichen Aspekten ausgewählt wurden. Durch das Anleinen wird die Reizvielfalt stark eingeschränkt. Zum anderen ist es ein wichtiger Bestandteil im Leben von Hunden, soziale Kontakte mit Artgenossen zu knüpfen. Hunde müssen in jüngster Jugend diesen Sozialkontakt erlernen und Erfahrungen mit anderen Hunden sammeln. Ein schwerwiegend gestörtes Verhalten wird deutlich bei Hunden die keine umfangreichen Erfahrungen mit Artgenossen haben oder durch den Tierhalter von Artgenossen abgeschirmt werden.

Dies führt zu einem gestörten Verhältnis zwischen Hunden und Menschen!
 
Genereller Leinenzwang und Tierschutzgesetz

Das Tierschutzgesetz stellt in Paragraph 2 die Anforderungen an den Tierhalter danach sollte ein Tier "artgemäß" gehalten werden. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Hund so zu betreuen ist, dass seiner Art (mit Rücksicht auf rassespezifische Unterschiede) und seinen Bedürfnissen (frei zu laufen und sich sozial auszudrücken) entsprochen wird. Vor allem würden die Lauftiere unter den Hunderassen z.B. Windhunde, Siberian Huskies, Jagdhunde und Terrier in ihrer angeborenen Verhaltensweise stark eingeschränkt werden und ein sie quälendes Dasein würde ihnen aufgezwungen werden. Ein uneingeschränkter urbaner Leinenzwang wäre nicht vereinbar mit dem Tierschutzgesetz. Es würde unausgeglichene, aggressive Hunde zur Folge haben, womit der Zweck einer solchen Verordnung hinfällig wäre.
 
Soziales

Hunde sind hochsoziale Lebewesen, die bei artgemäßer Haltung die Gelegenheit erhalten sollen sich mit anderen Hunden auseinander zu setzen. Hunde können durch Imponiergesten, Umeinanderlaufen, Anal- und Nasenkontrolle sowie Spiele unter Artgenossen ihre soziale Ordnung einschätzen und ausdrücken. Bei Hunden die am verlängerten Arm des Menschen geführt werden, wird dieses Verhaltensmuster erschwert oder gänzlich unmöglich gemacht. Sie müssen lernen miteinander umzugehen!

Ein angeleinter Hund kann seine Distanz zu einem Sozialpartner kaum regulieren, die Hunde sind häufig unsicher und fühlen sich in Bedrängnis gebracht, so dass ein Abwehrschnappen häufige Folge des Verteidigens gegen einen anderen Hund oder Menschen ist, obwohl das Tier durch keinerlei aggressives Verhalten zuvor auffällig geworden ist.
 
Skeptiker

Hierzu zählen Personen, die sich durch Hunde bedroht fühlen oder jene die gegen Hunde im Grunde nichts haben und lediglich der Meinung sind, das Halten von Hunden in einer Großstadt sei Tierquälerei. Sie behaupten, das Stadtleben mache die Hunde kaputt und degeneriere sie zu vermenschlichten Wesen. Diese Behauptung ist grundsätzlich falsch. Sicher ist nicht jeder Hund für eine Großstadt geeignet, aber einige Rassen brauchen weniger Bewegung und sind durchaus mit einer städtischen Umgebung zufrieden. Ein weiterer Diskussionspunkt ist der Hundekot, der keine schöne Sache ist und auch von Hundehaltern selbst als störend empfunden wird. Die Hinterlassenschaften der Hundes sollten immer vom Tierhalter entfernt werden . In anderen Ländern z.B. USA, Dänemark, England etc. ist das eine Selbstverständlichkeit. Der Hundekot stellt zwar für die Natur keine große Herausvorderung dar, aber es ist störend in Hundekot zu treten, was unweigerlich zu Missverständnissen führt. Viel schlimmer und für die Stadtreinigung kostenintensiver ist aber die Verschmutzung durch Abfälle wie Getränkedosen, Kunststoffverpackungen, Glasbehältnisse, Papier, Kaugummis etc..
 
Aufklärung und Erziehung

Der Hund ist wie kein anderes Tier vom Menschen geprägt. Er hat wie sein Herrchen einen Kulturprozess durchlaufen, der ihn von seiner Urform weit entfernt hat. Der Ähnlichkeitsunterschied ist in etwa so, als wolle man den Menschen einer Metropole mit einem Neandertaler vergleichen. Vor hundert Jahren war die Beziehung zum Tier deutlich besser, so waren Nutztiere, Pferde und Kleintiere auf dem Hof und in der Großstadt selbstverständlich. Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren war sehr eng. Heutzutage sind Ferien auf dem Bauernhof eine Ausnahme und Hunde bilden eine unserer letzten Wurzeln zur Natur. Kinder erfahren Tiere als Tröster in Konflikten. Ein aggressives Verhalten beim Tier wird durch Einflüsse einer nicht artgerechten Haltung und einer zerstörerischen Umwelt ausgelöst. Ein Tier ist nicht in sich böse, sondern wird erst unter dem Einfluss des Menschen aggressiv (scharf) gemacht. In den allerseltensten Fällen steckt eine psychische Krankheit oder eine Gehirnerkrankung dahinter. Auch ein Auto ist nicht in sich böse sondern wird erst durch den Raser gefährlich. Die Hunde die Personen verletzt hatten, waren zuvor schon auffällig geworden. Der Umgang mit Hunden sollte einer gewissen Kontrolle und Fachkompetenz unterliegen, so wäre ein "Hundeführerschein" ein durchaus guter Ansatz.

"Wuf" (ein Hundemagazin) und "Der Michel" (eine Rundschau für Briefmarkenfreunde) berichten über einen starken Rückgang (immerhin um 80 %) von Hundebissen vor allem bei Postboten im Jahr 2004. Dies sei auf ein spezielles Training der Postboten zurückzuführen. Diese lernen unter anderem, dass durch weglaufen vor einem bellenden Hund nur der Jagdinstinkt verstärkt wird und dieser dann auch ein größeres Potential entwickelt, die Beute zu fangen und zu erlegen. Falsches Verhalten gegenüber Hunden fördert somit deutlich das Verletzungsrisiko.
 
Wann sollten Hunde angeleint werden und wann nicht?

Viele Meschen haben Angst vor Hunden. Aus diesem Grund sollten Hunde in Ballungsgebieten und eng bebauten Gebieten angeleint geführt werden. Auch der technische Fortschritt in Städten mit großer Verkehrsdichte und einer Vielzahl von Verkehrsmitteln fordert das Anleinen von Hunden nicht nur zum Schutz des Menschen sondern auch des Tieres im Straßenverkehr. Auf Kinderspielplätzen haben unsere Vierbeiner nichts zu suchen, schon gar nicht im Sandkasten, da durch Exkremente Infektionen begünstigt werden können. Das Durchqueren von sportlich genutzten Anlagen sollte in den meisten Fällen nur unter Leinenführung erfolgen.

Ein gut erzogener Hund hingegen kann auch ohne Leine geführt werden, sofern er sicher bei Fuß geht und sich genau an die Anweisungen seines Herrchens oder Frauchens hält. Einige Hunde vergessen jedoch ihre Erziehung, wenn eine läufige Hündin oder ein Kaninchen vorbei saust. Dann ist vor allem in unsicherem Terrain eine Leinenführung angebracht. Diese Einschätzung muss vom Tierhalter nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt werden. Es sollten nicht nur strenge Regeln etabliert, sondern diese auch immer wieder mit dem Hund trainiert werden.

Kein genereller Leinenzwang

Würde ein genereller Leinenzwang erlassen, so richtet sich die Verordnung gegen das schwächste Glied in der Kette - den Hund. Dabei liegt der Fehler in den meisten Fällen beim Tierhalter durch falsche Haltung, beispielsweise eine viel zu kleine Wohnung, ungenügend Auslauf oder fehlende Sozialkontakte. Dies führt zu angestauten Aggressionen. Hunde haben eine Bestimmung als Lauf- und Jagdhunde oder als Wach- und Hütehunde und ganz andere als Schoßhunde, die zwar keinen großen Auslauf benötigen, aber soziale Kontakte. Eine übermäßige Fesselung der Hunde führt zu Neurosen, aggressivem Verhalten, Wutausbrüchen und endlosem Gekläffe!

 
Was kann nun getan werden?

• Bevor Sie sich einen Hund zulegen, informieren Sie sich rechtzeitig über Gewohnheiten, Bedürfnisse und Eigenheiten der Rassen die in Fragen kommen.

• Gute Hundeerziehung ist das A und O. Ein gut erzogener Hund braucht keine Leine!

• Stellen Sie klare Regeln auf, an die Sie sich und an die sich Ihre Familie und Bekannten, die den Hund gelegentlich führen, peinlich genau halten.

• Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund ausreichend soziale Kontakte knüpfen kann. In kritischen Situationen reißen Sie das Tier nicht heraus und nehmen es nicht schützend auf den Arm.

• Sollten Sie mit der Hundeerziehung nicht zuurecht kommen, holen Sie sich professionelle Hilfe bei einem Tiertrainer in einer Tierschule und nehmen selbst am Training teil.

• In gefährlichen Situationen nehmen Sie Ihr Tier an die Leine, um Ihren Hund und Ihre Umgebung vor unkalkulierbarem Risiko zu schützen.

• Besuchen Sie täglich eine große Grünfläche auf der Ihr Familienmitglied Auslauf, Möglichkeiten zur Knüpfung von sozialen Kontakten mit anderen Hunden, Spiel und viel Abwechslung frei von Hundeleinen haben kann.

• Von den Politikern und Behörden wird die Bereitstellung von entprechenden Grünanlagen und Flächen gefordert, die jedoch umfangreicher als nur eine Spielwiese sein müssen.

• Hundehalter sollten ihre Sachkenntnis durch den Erwerb eines Hundeführerscheines unter Beweis stellen müssen.

Auf diese Weise könnten eine ganze Reihe von Missverständnissen und Gefahrensituationen vermieden werden.

Eine generelle Anleinpflicht würde die sozialen Interaktionen zwischen Hunden verhindern und das Aggressionverhalten fördern, was das Unfallrisiko mit Bissverletzungen für Personen erhöhen würde!

Also nehmen Sie Rücksicht, erziehen Sie Ihren Hund und gehen Sie auf seine Bedürfnisse ein!
 
 

Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage - nicht dafür, was du verstehst!

Schöner als ein Airedale sind zwei!!!

Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit.
Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben.
Es ist zweifellos das beste Geschäft, was der Mensch je gemacht hat.

Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt. Mag noch so vornehm drein er schau`n, man sollte niemals ihm vertrauen

Man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht

Nun wird oft gefragt: »Haben Tiere eine Seele?« -
Ja, ganz gewiss! Aber haben auch alle Menschen eine?
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